Nach 45 Jahren Protokoll ist Schluss

Nach 45 Jahren Protokoll ist Schluss
Heinrich Fehrenbach Foto: Alexandra Wehrle

Quelle: Nach 45 Jahren Protokoll ist Schluss (veröffentlicht am Do, 09. April 2015 auf badische-zeitung.de)

Autor: Alexandra Wehrle

BEI UNS DAHEIM: Heinrich Fehrenbach war der Inbegriff des Schriftführers beim Skiclub in St. Märgen.

ST. MÄRGEN. „Ich hab meinen Urlaub immer nach den Skiclub-Terminen gerichtet“, sagt Heinrich Fehrenbach und lacht. 45 Jahre lang war er Schriftführer des Vereins und nebenbei für viele weitere Aufgaben zuständig, etwa die Zeitmessung und das Schreiben der Ergebnislisten bei Wettkämpfen. Das konnte schon mal stressig werden. Fehrenbach hat’s trotzdem gefallen. „Sonst hätte ich es nicht so lang gemacht.“

1970 war es, als der damalige Vorsitzende Adelbert Löffler, selbst erst einige Monate im Amt, ihn überredete, den Schriftführerjob zu übernehmen. Fehrenbach war im Jahr 1969 ins Rathaus gekommen, wo er 41 Jahre lang als Ratschreiber und Hauptamtsleiter tätig sein sollte. Der damalige Bürgermeister Kurt Hartwich war Skisportfan und unterstützte seinen Mitarbeiter. Das war ideal, denn im Rathaus hatte Fehrenbach gleich die notwendige Ausstattung parat, etwa einen Kopierer.

Zuerst musste sich Fehrenbach einen Überblick verschaffen und die losen Akten und Papiere, die ihm in einem großen Karton übergeben worden waren, in Ordnung bringen. Der Skiclub war 1924 gegründet worden. Auch wenn viele Unterlagen kriegsbedingt fehlen, ist der Fundus umfangreich. Er war Skiclub-Mitglied, aber nicht als Aktiver. „Ich hab zwar Ski gehabt, aber ich bin 45 Jahre nicht mehr zum Skifahren gekommen.“ Denn er musste die Wettkämpfe mitorganisieren, die Starter- und Ergebnislisten erstellen, Zeiten messen und anfangs noch per Kopf selber ausrechnen. Da konnte schon mal Stress aufkommen. „Alle sind hintendran gestanden und haben auf die Ergebnisse gewartet.“ Oft übte er vorher ein paar Tage, er war ja allein verantwortlich für die Korrektheit der Ergebnisse. Manchmal wurden Wettkämpfe auf das Herzogenhorn oder an den Notschrei verlegt, da musste die ganze Ausstattung samt Technik und Startnummern dorthin transportiert werden. Und die Schreibmaschine, mit der Fehrenbach für jeden Starter eine Karte beschriften musste, mit Name, Adresse, Jahrgang, Zeiten.

Verwaltung auf EDV umgestellt

Fehrenbach erstellte die Festschriften zum 50. und 75. Geburtstag des Vereins. Dafür hat er ältere St. Märgener befragt und recherchiert. „Beim 50-Jährigen haben wir im Oktober entschieden, dass wir das Jubiläum noch machen müssen.“ Am 28. Dezember wurde dann in der Turnhalle gefeiert. „Das war schon noch eine Hektik“, lacht Fehrenbach. Dass er so lange der Mann für alles Schriftliche und Organisatorische war, ist ihm so zugeflogen. „Jeder hat gesagt, ich soll das machen, also hab ich’s halt gemacht.“

Fehrenbach stellte die Vereinsverwaltung auf EDV um, kaufte damals einen Commodore-Computer mit CPM-Betriebssystem. Nacheinander stattete er den Verein mit vier Computern aus. „Das hab ich alles rationalisiert“, sagt er über die Karteikarten vom Anfang. Auch für die Zeitnahme schaffte er schon bald Hilfsmittel an: Zeitmessgeräte und Drucker. Nebenbei ordnete er Aufschriebe, Fotos und Zeitungsartikel und ließ sie zu Büchern binden. Diese lagern wohlsortiert im Vereinsbüro im Rathaus.

Als Fehrenbach sein Amt antrat, bestand der Vorstand aus fünf, sechs Leuten. Inzwischen sind es 17. Das mache die Entscheidungsfindung nicht unbedingt leichter. Vier Vorsitzende hat er miterlebt: Adelbert Löffler, Hermann Kaltenbach, Anton Dold und Raimund Löffler.

Einmal musste Fehrenbach vom Urlaub aus eine Volkswanderung für den Verein organisieren. Da war er auf Gran Canaria. Seither fuhr er nur noch vor oder nach Skiclub-Veranstaltungen weg. Fragt man ihn nach besonderen Ereignissen, fallen ihm die Ausflüge ins Skigebiet bei Tignes in den französischen Alpen ein, der Staffellauf, an dem Schlagersänger Costa Cordalis mit Georg Zipfel mitlief, oder die Fahrt nach Isny zu einem Wettkampf, wo es im Zimmer so kalt war, dass die St. Märgener in ihren Kleidern schlafen mussten.

Nun kann er beruhigt loslassen

Trotz der Freude, mit der er seinen Posten versehen hat, und obwohl viele seiner Aufgaben inzwischen auf andere Schultern verteilt worden sind, wollte Fehrenbach nun aufhören. Auch andere Vorstandsmitglieder haben sich nicht mehr zur Verfügung gestellt. „Wir haben die Mitgliederversammlung so lange verschoben, bis die Nachfolger gefunden waren“, so Fehrenbach, „darauf habe ich bestanden“. Deshalb war sie erst vor wenigen Tagen anstatt wie sonst im November. Dafür sind die Posten neu besetzt und er kann beruhigt loslassen. „Ich bin froh, dass die Nicole Faller es macht.“


INFO: Zur Person

Heinrich Fehrenbach wurde 1945 geboren und lebt noch heute in seinem Elternhaus in der Feldbergstraße. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und ein Enkelkind. Das Schreiben und Protokollieren ist wohl seine Lebensaufgabe. Nach einer Buchdruckerlehre war er 41 Jahre lang im Rathaus tätig, zuerst als Inspektorenanwärter (seine zweite Lehre), danach als Ratsschreiber und Hauptamtsleiter. Im Oktober 2010 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
Seit vier Jahren ist Fehrenbach, wie schon früher einige Jahre, Schriftführer beim Schwarzwaldverein, seit zwei Jahren auch beim Club Turnerspur. 15 Jahre lang war er zudem Schriftführer des Fördervereins Jugend und Sport. Beim Skiclub war er zeitweise zusätzlich auch Kassierer. Für die Chronik, die zur 900-Jahr-Feier St. Märgens erscheinen soll, trägt er alles über die Vereine zusammen, was er finden kann. So einiges kann er dann seinen eigenen Aufschrieben entnehmen. Heinrich Fehrenbach ist seit vielen Jahren auch freier Mitarbeiter der Badischen Zeitung.